Die Bedrohung des Lebens durch die Gentechnik

Das Thema wird bearbeitet von
Michael Greder

Im Sommer 1978 erblickte Louise Brown das Licht der Welt. Sie wurde für viele zum Beispiel der scheinbar unendlichen Möglichkeiten des technischen Fortschritts. Die Gesellschaft wurde von der Macht des Faktischen überrollt. Louise Brown ist der erste Mensch, der aus einer extrapolaren Befruchtung hervorging. Im Labor, so schien es, schuf der Mensch die Möglichkeiten seiner eignen Existenz neu. Die rasanten Entwicklungen in der Biotechnik riefen viele diffuse Ängste hervor und eröffneten eine Debatte, die teilweise undifferenziert geführt wurde.

So hatte z.B. die extrapolare Befruchtung im engeren Sinne nur wenig mit der Gentechnik zu tun. Allerdings war es den protestantischen Akteuren der Zeit kaum möglich, in gebotener Eile fundiert und differenziert auf die Diskussionen einzuwirken. Die Bioethik war noch nicht aus der Taufe gehoben und man bediente sich gewohnter Argumentationsmuster aus vorangegangen Debatten. Bisher erkenne ich zwei große Felder, von denen aus man sich dem Kern der Debatte um die Gentechnik näheren kann: Zum einen über Fragen, die eine individuelle Entscheidung fordern: Darf ich mit biotechnischen Methoden ein Leben hervorbringen? Zum anderen Fragen, die allgemeiner an den Begriff der Person gerichtet sind: Verändern naturwissenschaftliche Erkenntnisse unser Verständnis von Person und Individualität?

Mein Anliegen ist es, die Debattenlage zu entwirren und Kategorien sowie Kriterien für ihre Bewertung bereitzustellen. So können zukünftige Forscher gezielter ethische Problemfelder des Nachkriegsprotestantismus untersuchen.