• Protestantische Kommunikationsformen

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Christian Albrecht

    Protestantische Voten in den ethischen Debatten der alten Bundesrepublik lassen ein doppeltes Grundinteresse erkennen. Sie zielten darauf, in konkreter, konstruktiver Weise Realisierungsformen des Christlichen in der modernen Gesellschaft zu beschreiben. Zugleich stand im Hintergrund aber immer auch das Interesse an einer kritischen Selbstreflexion des zeitgenossischen Protestantismus über die eigene, angemessene Rolle in der modernen Gesellschaft. Konstruktive Gesellschaftsgestaltung und theologische Selbstkritik sind in den protestantischen Voten niemals voneinander zu trennen. Vielmehr führte diese Verbindung zur Herausbildung eigener Kommunikationsformen: Die Beteiligung des Protestantismus an den ethischen Debatten der alten Bundesrepublik vollzog sich in spezifischen kommunikativen Netzwerken, die sich ihre eigenen publizistischen Foren, diskursiven Einrichtungen und sozialen Orte schufen. Die Leitperspektive richtet den Blick auf solche Kommunikationsformen und achtet dabei insbesondere auf die Verflochtenheit von protestantischer Gegenwartsgestaltung und protestantischer Selbstsuche.

  • Individualisierungsprozesse als Referenzpunkt theologisch-ethischer Theoriebildung
    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Reiner Anselm

    Die bundesrepublikanische Gesellschaft durchläuft in der Nachkriegszeit einen Prozess beschleunigter Individualisierung. Im Hintergrund stehen zum einen die Erfahrungen des nationalsozialistischen Vergemeinschaftungsterrors, zum anderen die Begleiteffekte des rasant steigenden Wohlstands in den Aufbaujahren. Die protestantische Ethik sucht diesen Prozess theologisch zu verarbeiten und zu steuern, treibt ihn damit aber zugleich voran. Die Leitperspektive richtet ihr Augenmerk darauf, wie im Medium des weitgefächerten kirchlich-theologischen Engagements in den einschlägigen ethischen Debatten der gesellschaftliche Individualisierungsschub theologisch gedeutet und verarbeitet wird.

  • Politische Mitwirkung

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Andreas Busch

    Aus politikwissenschaftlicher Sicht wurden die Kirchen bisher kaum untersucht, weil sie sich mit den gängigen Analysekategorien nicht hinreichend erfassen lassen. Doch Parteien fungierten als Wirkungskanal für die Einflussnahme und Mitwirkung des Protestantismus an politischen Entscheidungsprozessen. Zugleich kam den Kirchen selbst stets politische Bedeutung zu. Darum gilt es, das vielschichtige Korrelationsgeflecht zwischen dem Protestantismus – in der Pluralität seiner Erscheinungsformen – und den politischen Parteien aufzuschlüsseln und so einen Beitrag zu der Frage zu leisten, wie der Protestantismus seinen Einfluss auf politische Debatten organisiert und wahrgenommen hat.

  • Protestantische Vorstellungen demokratischer Rechtserzeugung

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Hans Michael Heinig

    Die Leitperspektive richtet den Blick auf den Wandel innerprotestantischer Rechts- und Demokratiebilder. Nach 1949 kam der deutsche Protestantismus in der Demokratie an. Dies verlangte angesichts seiner vordemokratischen Tradition Umschreibungen, gezielte Diskontinuitäten und Neugründungen in Ethik und Rechtstheologie. Diesen ist in den unterschiedlichen Formen und Orten (rechts)ethischer Debatten im Protestantismus nachzuspüren.

  • Der Protestantismus und die Debatten um den deutschen Sozialstaat

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Christiane Kuller

    Der soziale Protestantismus in der Bundesrepublik Deutschland entwickelte seit den 1960er Jahren ein neues Profil. Gleichzeitig und in Wechselwirkung damit veränderten sich in der bundesdeutschen Gesellschaft Lebenswelten, Werte und Kultur grundlegend. In Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen und angesichts einer zunehmenden Verwissenschaftlichung der einschlägigen Debatten verabschiedete der Protestantismus zentrale Denkdispositionen, die teilweise bis in die Weimarer Zeit zurückreichten, und richtete sich inhaltlich und organisatorisch mehrheitlich neu aus. Die Leitperspektive lotet das Gewicht des sozialen Protestantismus in den Debatten um die Sozialordnung der Bundesrepublik aus und untersucht die Kommunikationskanäle, über die protestantische Stimmen im Prozess der gesellschaftlichen Selbstvergewisserung Einfluss nahmen.

  • Die bundesrepublikanische Gesellschaft im Spiegel der theologischen Ethik

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Martin Laube

    Die in der evangelischen Theologie nach 1945 geführten ethischen Debatten sind weithin als gegenwartsorientierte Selbstverständigungsdebatten zu begreifen. Im Medium der ethischen Reflexion erarbeitet sich die Theologie ein Verständnis der modernen Welt und Gesellschaft; diese Deutungsarbeit wiederum steht im Dienste des Interesses, Ort und Aufgabe des Protestantismus im Horizont der bundesrepublikanischen Gesellschaft zu bestimmen. Die Leitperspektive richtet ihr Augenmerk auf die in den Ansätzen und Beiträgen der theologischen Ethik hintergründig wirksamen Deutungsfiguren zum Verständnis der modernen Welt und schlüsselt diese in ihren spezifischen Motivlagen, fächerübergreifenden Verbindungslinien und inhaltlichen Verschiebungen auf.

  • Der Protestantismus und die Fragen nach gesellschaftlicher Integration und nationaler Identität

    Das Projekt wird betreut von
    Prof. Dr. Claudia Lepp

    Migration und Integration stellten für die Bundesrepublik seit ihrer Gründung eine politische und soziale Herausforderung dar und bargen zugleich Potential für wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen. Die Aufnahme erfolgte in einer Gesellschaft, die zwischen Kriegsende und Wiedervereinigung fundamentale Wandlungen durchlief und auf der Suche nach dem eigenen Selbstverständnis war. Für den westdeutschen Protestantismus bedeuteten die Zuwanderungen Anlass zu humanitär-diakonischem Engagement, aber auch zu sozialethischer Stellung- und Einflussnahme. In den protestantischen Beiträgen zu den Debatten um Migration und Integration wurden - je nach Migrantengruppe und Zuwanderungszeitpunkt - durchaus unterschiedliche ethische und politische Themen explizit und implizit verhandelt. Ebenso variierten die protestantischen Debattenakteure und die von ihnen gewählten Aktions- und Sozialformen.

    In der ersten Förderphase standen die konfliktualen Integrationsdebatten nach einer erzwungenen Massenmigration in den gleichen Nationalverband im Focus: Analysiert wurden protestantische Vorstellungen von der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Integration der Ostvertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft. Dabei wurden die Integrationsdebatten der fünfziger und sechziger Jahre auch als gesellschaftliche Selbstverständigungsdiskurse interpretiert, in denen Modernisierungs- und Transformationsprozesse diskursiv verarbeitet wurden.

    In der zweiten Förderphase stehen Debatten über eine fortlaufende Zuwanderung von Migranten unterschiedlichster Herkunftsgebiete und deren individuelle Motive im Mittelpunkt. Damit verlagert sich der Akzent auf die jeweilige Aufnahmesituation und die Aufnahmeverfahren sowie auf die bundesdeutsche Aufnahmebereitschaft im Spannungsfeld von nationalen Interessen und humanitärer Solidarität.